PENGUIN CAFE

22. Januar 2020
ELBPHILHARMONIE GROßER SAAL
Einlass:
18:30 Uhr
Beginn:
20:00 Uhr
Tickets:

Penguin Cafe Website
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Photo: © Alex Kozobolis
Photo: © Alex Kozobolis

„Es gibt Orte, die ich gefühlsmäßig mit Kreativität verbinde – wo endlose Weiten und Leere, verbunden mit einem Gefühl von Schönheit und Zeitlosigkeit, den idealen Rahmen bilden, um darin etwas zu erschaffen.“ – Arthur Jeffes

Am 4. Oktober 2019 veröffentlicht Erased Tapes mit Handfuls of Night den mit Spannung erwarteten Nachfolger zu Penguin Cafes gefeiertem Album The Imperfect Sea (2017). Der neue Longplayer ist von der Antarktis inspiriert, von einer Reise, die Arthur Jeffes einst in den Fußstapfen des Polarforschers Scott unternommen hat – sowie von unseren Pinguin-Freunden, die dort beheimatet sind. 

Eingespielt mit darmbesaiteten Violinen, Bratsche, Cello, Bass, Percussion, Klavier und Flügel, Synthesizer, Harmonium und weiteren Instrumenten, haben Arthur Jeffes und seine Mitmusiker eine Reihe von musikalischen Panoramaaufnahmen geschaffen, die intellektuellen Anspruch mit emotionalem Tiefgang vereinen. 

Eingerahmt von den atmosphärischen Ambient-Klavierstücken „Winter Sun“ und „Midnight Sun“, lässt das Album schneebedeckten Minimalismus hinter sich und vereint jene zeitgenössisch-klassischen Panoramen, die man von Penguin Cafe kennt (etwa der Melancholie und Zuversicht vereinende Vorbote „At the Top of the Hill, They Stood...“ oder das majestätisch-leinwandtaugliche „Chapter“), mit kristallklarer Folktronica („Pythagoras on the Line Again“ – eine Fortsetzung des 1993 auf Union Cafeveröffentlichten Penguin Cafe Orchestra-Stücks über die Prinzipien der Harmonielehre).

Die Arbeit an Handfuls of Nightbegann, als Jeffes von Greenpeace den Auftrag erhielt, vier Musikstücke zu vier unterschiedlichen Pinguinarten zu komponieren, um damit das Bewusstsein für die Gefährdung der Antarktis zu stärken. Diese ersten vier Lieder, benannt nach den vier Pinguinen, präsentierten Penguin Cafe wenig später schon im Rahmen einer ausverkauften Fundraising-Veranstaltung im EartH in Hackney, London: der mitreißend zeitgenössische Folk-Song „Chinstrap“, das schwermütig-minimalistische „Adelie“, das fast schon stoisch wirkende Stück „The Life of an Emperor“ sowie das sehnsüchtige, mit Streichern gespickte „Gentoo Origin“. 

„Das neue Album begann mit einem Kern von Stücken, die ich im Herbst 2018 im Rahmen eines Greenpeace-Projekts über verschiedene Pinguine der Antarktis geschrieben habe. Es gibt vier Pinguinarten, die in der Antarktis heimisch sind – und jede davon hat andere Eigenschaften und Wesenszüge. Ich setzte meine Arbeit fort, indem ich sie vermenschlichte und mir eine Welt ausmalte, in der diese Pinguine ihre eigenen Geschichten und Abenteuer erleben, und diese klanglich untermalten“, so Jeffes. Dabei reichen die Wurzeln des neuen Albums und die von Penguin Cafe sogar noch sehr viel weiter zurück in die Geschichte... 

„Im Jahr 2005 wurde ich von der BBC zu einer Expedition eingeladen, die an Scotts letzte Reise in die Antarktis angelehnt war. Alles sollte sein wie im Jahr 1911; auch das Equipment war dasselbe wie damals aus der Zeit Eduards VII. Ich bin zwar kein Entdecker, aber ich hatte große Lust mich anzuschließen – besonders weil es da eine familiäre Verbindung gibt: Meine Urgroßmutter war vor ihrer Ehe mit meinem Urgroßvater mit dem Scott verheiratet.“

„Da jedoch die Antarktis zu jenem Zeitpunkt bereits unter Naturschutz stand, brachen wir stattdessen in die Arktis auf und verbrachten drei Monate auf dem Grönlandeis. Erst auf Hundeschlitten und dann auf unsere eigenen Kraftreserven angewiesen, legten wir knapp 1.000 Kilometer in mehreren Kilometern Höhe über Eisfelder und Gletscher zurück.“ 

„Ich hatte damals viel Zeit, um über mein Leben daheim nachzudenken. So fasste ich auch den Entschluss, meinen Master of Music-Abschluss zu machen und mich aufs Komponieren zu konzentrieren... und was mir auch damals klar wurde: Dass die Musik selbst an den entlegensten und stillsten Orten noch immer eine sehr große Rolle in der inneren Welt und in der Vorstellung spielen kann. Während der Expedition habe ich manche Ideen tagelang im Kopf gehabt; ich habe sogar neue Sachen geschrieben, die ich dann immer erst am Ende eines Tages versucht habe, zu Papier zu bringen.“ 

Die Töne, Texturen und Melodien von Handfuls of Night klingen nach unwirklichen Weiten, die mal etwas Bedrohliches haben, mal ehrfurchtgebietend oder einfach friedlich wirken. Rhythmische Wiederholungen, die sich ganz leicht verändern, tauchen immer wieder auf – angesiedelt zwischen Minimalismus, Krautrock oder auch den Klavier-Kaskaden von Labelkollege Lubomyr Melnyk. So erschafft Jeffes eine kinetische Wirbelbewegung, die das Album antreibt und es zu einer musikalischen Expedition macht, zu einem Spiegelbild jener tatsächlichen Reise, die den Longplayer inspiriert hat. 

Penguin Cafe wurde im Jahr 2009 von Arthur Jeffes gegründet, nachdem er eine Gruppe von talentierten Musikern – inklusive Mitgliedern von Suede und den Gorillaz – zusammengebracht hatte, um das Werk seines 1997 verstorbenen Vaters zu neuem Leben zu erwecken. Simon Jeffes hatte das weltberühmte Penguin Cafe Orchestra geleitet.

Am 22. Januar kommen Penguin Cafe zum bereits zweiten Mal innerhalb eines Jahres in den Großen Saal der Elbphilharmonie – eine Ehre, die noch nicht allzu vielen Künstlern zu Teil  wurde.